„Georgia on my mind“ ist seit 1979 nicht nur die offizielle Hymne des gleichnamigen US-Bundesstaates, sondern auch einer der beliebtesten Jazz-Standards aller Zeiten. Vor allem in der Version von Ray Charles erlangte er große Berühmtheit.
„Just an old sweet song, keeps Georgia on my mind“ – diese Worte gingen Ray Charles 1960 bei den Plattenaufnahmen zu seinem Album „The Genius Hits The Road“ über die Lippen, als wären sie ihm auf den Leib geschrieben worden. Schließlich wurde er in Albany, einer Kleinstadt im Südwesten Georgias, geboren und erinnerte sich ein Leben lang in Wehmut zurück an seine Wurzeln. Tatsächlich wurde der Song jedoch bereits 30 Jahre früher von Hoagy Carmichael geschrieben und aufgezeichnet.
„Georgia on my mind“ – die umstrittene Entstehungsgeschichte
Dass Viele heutzutage den Song Ray Charles zurechnen, liegt nicht nur daran, dass er es war, der den Song auf Platz eins der amerikanischen Charts katapultierte. Es mag wohl auch daran liegen, dass ihm der Song viel besser zu Gesicht stand als seinem eigentlichen Komponisten Hoagy Carmichael. Selbigen verband nämlich nicht annähernd ein so starkes Band mit dem Bundesstaat Georgia wie Ray Charles. Carmichael wurde 1899 in Bloomington/India geboren und er war nicht etwa von seiner Erinnerung an Georgia, sondern lediglich von dem Vorschlag eines Musikerkollegen getrieben, diesen Song zu schreiben.
Fachleute streiten sich außerdem noch heute darüber, ob der Song tatsächlich als Hymne an den Bundesstaat Georgia gedacht war, oder vielmehr als Huldigung seiner Schwester, die ebenfalls diesen Namen trug. Carmichael selbst bestätigte allerdings in seiner Autobiographie die Annahme, dass es sich hierbei allein um das Stück amerikanischen Landes dreht, das den Namen Georgia trägt.
„Georgia on my mind“ – Original und Coverversionen
1930 hatte Carmichael den Song verfasst und noch im selben Jahr mit einem eigenen Ensemble eingespielt. Mit dabei waren berühmte Musiker wie Bix Beiderbecke am Kornett und Jimmy Dorsey an Altsaxophon und Klarinette. Trotz des prominenten Aufgebots konnte das Original zunächst nicht in den Charts landen.
Erste Charterfolge erzielte der Song in der Version von Saxophonist Frank Trumbauer, welcher Carmichael den Anstoß zum Schreiben des Songs gab. Auch Louis Armstrong und Gene Krupa wagten sich an den Song. Die Chartplatzierungen auf Platz 17 und 19 ließen jedoch noch zu wünschen übrig.
Erst Ray Charles schaffte es 1960, dem Song so viel Leben einzuhauchen, dass er die Spitze der Musikcharts erreichte und ihm wiederum gleich zwei Grammy Awards einbrachte. Insgesamt wurde „Georgia on my mind“ sage und schreibe 104 Mal (mehr oder weniger erfolgreich) gecovert. Auch Größen des Business wie Ella Fitzgerald, Billie Holiday und Oscar Peterson ließen den Song in ihrem Schaffen nicht unberührt und verhalfen ihm zum Status des Jazz-Standards.